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Aktuelles

Unterschiede Christentum – Islam

Ein Arbeitspapier des Kompetenzzentrums Islamismus der Aktion 3.Welt Saar e.V.

Veröffentlicht am 15.11.2018

 

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Die aktuelle Debatte um und über den Islam ist von Positionen geprägt, die eine sachliche Auseinandersetzung oder gar eine säkulare Islamkritik erschweren:


a) Große Teile der politischen Rechten in Deutschland sehen mit der Verbreitung des Islam den Untergang des Abendlandes kommen.

b) Große Teile der politischen Linken meinen, dass Islamkritik unnötig sei, da alle Religionen gleich seien und „man als Linker“ generell gegen Religionen sei. Dies führt zu falscher Toleranz und Schweigen gegenüber offensichtlichen Menschenrechtsverletzungen wie Kopftuchzwang oder Zwangsheirat, die religiös begründet werden.

c) Große Teile der katholischen und evangelischen Kirche sehen in Islamkritik die Gefahr, dass auch die eigene Religion kritisiert wird, nehmen den Islam gegen jedwede Kritik in Schutz und initiieren „interreligiöse Dialoge“. Dem schließen sich große Teile von NGOs und Teile von Parteien an, die der multikulturellen Szene zuzurechnen sind. KritikerInnen des politischen Islam werden gerne der Islamophobie bezichtigt.


Als Aktion 3.Welt Saar e.V. halten wir diese Auffassungen nicht nur für falsch, sondern auch für einen Ausdruck der Verweigerung einer politischen Debatte. Zum einen sind nicht alle Religionen gleich, sonst gäbe es ja nicht verschiedene Religionen, und zum anderen gibt es sehr konkrete Unterschiede zwischen Christentum und Islam. Diese überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, ist für uns Grundlage einer nötigen Islamkritik. Wir treten ein für eine säkulare Islamkritik, die sich daran orientiert, dass Religion Privatsache ist. Zur Religionsfreiheit gehören zweierlei:

1. Das Recht eines jeden Menschen, eine Religion zu haben.

2. Das Recht eines jeden Menschen, keine Religion zu haben bzw. eine Religion zu verlassen.

 

 

Religion und Aufklärung

 

1.) Das heutige Christentum ist im Gegensatz zum islamischen Mainstream weitgehend weltlich geprägt bzw. beeinflusst.

 

2.) Das Christentum hat – wenn auch unfreiwillig – im Gegensatz zum Islam das Zeitalter der Aufklärung durchlaufen, jedenfalls, was die großen Kirchen und die meisten Länder betrifft. In der christlichen Überlieferung gibt es zwar, ebenso wie in der islamischen, Gewaltaufrufe und Gewaltbefürwortung, doch sind derartige Aussagen etwa im Alten Testament für die vorherrschende christliche Theologie und für die meisten Christen heute nicht mehr handlungsleitend. Das Alte Testament, das zunächst Teil der jüdischen Überlieferung ist, ist ohnehin keine monolithische Schrift, sondern eine Schriftensammlung, die auch eine historische Entwicklung und die permanent stattfindende Revision früherer Auffassungen im Judentum dokumentiert. In der christlichen Religionswissenschaft findet in der Regel eine rationale Überprüfung und Historisierung der Überlieferungen und Glaubensgrundlagen statt.

Es gab zwar schon im frühen Islam eine Aufklärungsbewegung, doch konnten sich die Aufklärer historisch nicht durchsetzen und wurden fast alle verfolgt. Bestrebungen, den Islam zu reformieren und einen humanistischen, aufgeklärten Islam zu entwickeln, der die Gewalt befürwortenden Teile der Überlieferung, etwa die Gewaltsuren des Koran, in ihren historischen Kontext stellt und hinter sich lässt, werden heute ebenfalls von (liberalen) islamischen Theologen unternommen. Jedoch bilden diese eine Minderheit, werden von Vertretern des Mainstreamislams angefeindet und sind zum Teil Morddrohungen bzw. Todesfatwas ausgesetzt.

 

3.) Auch im Christentum und auf das Christentum gerichtet finden heute noch Kämpfe für bzw. gegen aufgeklärtes Denken statt. In einigen Ländern und in Teilen des christlichen Spektrums, zum Beispiel in den USA, gibt es nach wie vor fundamentalistische und gegenaufklärerische Haltungen. Der polnische Katholizismus ist im Verhältnis zu dem anderer europäischer Länder sehr konservativ bzw. reaktionär, das heißt nicht nur bewahrend, sondern gezielt rückwärtsgewandt. Es wäre also ein Fehler, aus dem relativ liberalen Katholizismus etwa in Deutschland auf den Katholizismus insgesamt zu schließen. Im Katholizismus sind ebenso die Piusbrüder zu nennen und auch Opus Dei. Von Bedeutung sind auch die zahlreichen evangelikalen bzw. freikirchlichen Gruppen, in denen zum Teil ähnlich patriarchale und parallelgesellschaftliche Strukturen herrschen wie im orthodoxen Islam. Derartige Strukturen finden sich beispielsweise in freikirchlichen Spätaussiedlergemeinden.

 

4.) Eltern, Pädagogen und Geistliche können bereits bei der Erziehung von Kindern das Bild eines strafenden Gottes vermitteln, der Selbstentfaltung, Ungehorsam und Zweifel sühnt. Ein entsprechendes Islamverständnis fordert die bedingungs- und kritiklose Unterwerfung unter den behaupteten Willen eines strafenden und zürnenden Gottes, bei Androhung furchtbarer Höllenstrafen. An die Angst vor der Hölle können wiederum Islamisten mit ihrer Propaganda anschließen: die Erlösung im Paradies steht nur den Muslimen offen, die sich dem Islamismus zuwenden.
Das Christentum hat sich mehrheitlich von Drohungen vor der Hölle und der damit verbundenen Angstpädagogik entfernt und setzt stattdessen auf Barmherzigkeit und Vergebung. Dieser Schritt steht beim orthodoxen Mainstream-Islam (vgl. Punkt 6 dieser Erklärung) noch aus. Zu einer zeitgemäßen Reform des Islams, der den Glauben mit den Lebensrealitäten des 21. Jahrhunderts versöhnt, würde das Bild eines gütigen und verzeihenden Gottes beitragen und damit eine Abkehr von der Angstpädagogik, eine Abkehr von der Tabuisierung von Sexualität und eine Abkehr von der Ablehnung kritischen Hinterfragens.

 

 

Religion und Staat

 

5.) Die christlichen Kirchen finden sich mit der fortschreitenden Trennung von Religion und Staat zumindest ab, während der Islam diese Trennung nicht kennt und Religion nicht als Privatangelegenheit ansieht. In der christlichen Überlieferung ist diese Trennung bereits angelegt in der Jesus zugeschriebenen Aussage „Gib dem Kaiser was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist.“ Der Islam ist in seinem Wesen eine politische Ideologie, was mit dem „politischen Islam“ der Muslimbrüder, dem Islamismus im engeren Sinne, in modernisierter Form in Erscheinung tritt.

 

6.) Der orthodoxe Islam ist keine Außenseiterströmung, sondern macht den islamischen Mainstream aus. Die islamische Mainstreamtheologie ist orthodox, was heißt, dass sie aus der Überzeugung lebt, den einzig wahren Glauben zu besitzen. Dasselbe gilt für die politischen Grundlagen fast aller islamischen Staaten, die in der „Kairoer Erklärung der Menschenrechte“ von 1990, einem offiziellen Dokument der aus 56 Staaten bestehenden „Organisation für Islamische Zusammenarbeit“, festgelegt haben, dass Menschenrechte nur so lange gelten, wie sie nicht im Widerspruch zur Scharia stehen.

 


Religion und Vereinnahmung des Individuums

 

7.) Auch im Christentum gibt es Schwulenfeindlichkeit insbesondere bei Evangelikalen und in anderen konservativen Strömungen, aber christlich geprägte Staaten lassen Schwule nicht auspeitschen, wie zum Beispiel im islamisch geprägten Indonesien, hängen sie nicht „spontan“ an Baukräne, so wie es im Iran geschieht und von der Todesstrafe für Schwule in zwölf muslimisch geprägten Ländern ganz zu schweigen; zum Beispiel in Saudi Arabien, Katar, Nigeria, Irak, Iran.

 

8.) Der Islam lässt den Austritt nicht zu. Zwar kann auch der Austritt aus einer christlichen Kirche Konsequenzen wie den Verlust des Arbeitsplatzes bei einem kirchlichen Träger nach sich ziehen, die Mehrzahl der Christen hat jedoch keine schwerwiegenden Sanktionen zu befürchten. In manchen islamischen Ländern steht auf Verlassen des Islams die Todesstrafe. Die Katholische Kirche z.B. bekennt sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) zum Ziel der Religionsfreiheit und verzichtet seither auch auf einen absoluten Wahrheitsanspruch, auch wenn es weiterhin vom Unfehlbarkeitsdogma geleitete religiöse Lehrsätze des Papstes gibt.

 


Religion und Terror

 

9.) Der immer wieder vorgebrachte Hinweis auf blutige Verbrechen der Kirche, vor allem auf die Kreuzzüge, bezieht sich auf historische Ereignisse, sagt also über die Jetztzeit wenig aus. Wenn Politiker wie George Bush den englischen Begriff „Crusade“ verwenden, so hat dies nicht per se mit einer Kreuzzugsmentalität zu tun, denn „Crusade“ bedeutet zwar ursprünglich „Kreuzzug“, hat aber längst eine allgemeinere Bedeutung, etwa im Sinne von „Kampagne“, angenommen. Das Argument, es seien christliche Länder wie die USA gewesen, die Sklaven gehalten hätten, verkennt, dass diese Sklaven von muslimischen Sklavenhändlern gekauft wurden und dass Sklaverei im muslimischen Herrschaftsbereich verbreitet war, zum Teil heute dort noch existiert und zum Beispiel von islamistischen Organisationen wie „Islamischer Staat“ und „Boko Haram“ praktiziert wird. Zwar gibt es christliche Terroristen und christliche Gewalttäter – die „Lord’s Resistance Army“ in Uganda, den KuKluxKlan oder Morde christlicher „Lebensschützer“ an Abtreibungsärzten, Anders Breivik in Norwegen, der sich in der Tradition der Kreuzritter sieht. Doch spielen diese im Verhältnis zum islamistischen Terror eine quantitativ viel geringere Rolle.
Wer das Christentum kritisiert oder sich darüber lustig macht, braucht kaum zu befürchten, deswegen ermordet zu werden. Witze über den Islam, zum Beispiel Mohammed-Karikaturen, können hingegen tödliche Anschläge zur Folge haben, wie am 7.Januar 2015 auf die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo. Gegen den indisch-britischen Schriftsteller Salman Rushdie erließ der damalige iranische Staatschef, Ayatollah Khomeini, 1989 eine Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten, das ihn wegen seines Romans „Die satanischen Verse“ zum Tode verurteilte und für vogelfrei erklärte, verbunden mit einem Kopfgeld. Diese Fatwa besteht fort, das Kopfgeld wurde kürzlich sogar aufgestockt.

 

10.) Immer wieder wird behauptet, islamische Terroristen hätten nichts mit dem Islam zu tun, handelten nicht im Namen des Islam oder seien keine wirklichen Muslime. Dann kommt das Argument, dass man ja anderenfalls die unter Punkt 9.) Genannten auch als Christen bezeichnen müsse. Dem ist zu entgegnen: Ja, sie sind Christen, ebenso wie islamische Terroristen Moslems sind. Beide repräsentieren bestimmte Strömungen und nicht die gesamte Religion. Innerhalb des Islam fehlt jedoch eine breite Auseinandersetzung mit den Wurzeln des Terrorismus in der Mitte der islamischen Gemeinschaft und in den islamischen Glaubensgrundlagen.

 

 

 

 

Das Papier entstand im Rahmen der Arbeit des Kompetenzzentrums Islamismus der Aktion 3.Welt Saar e.V. Dort bündelt sie bundesweit Know-how, vernetzt, recherchiert und publiziert zu mit dem Islam begründeten Menschenrechtsverletzungen, organisiert Fachveranstaltungen. MitarbeiterInnen der Aktion 3.Welt Saar e.V. stehen für Vorträge, Diskussionen und Podiumsrunden zum Thema des Arbeitspapiers zur Verfügung; www.a3wsaar.de,mail@a3wsaar.de

 

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21. Allerweltsbasar: Fellenbergmühle Merzig

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