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Aktuelles

Absage von kolonialismuskritischem Vortrag durch die Stadt Hannover ist feige

Aktion 3.Welt Saar e.V. hat in Niedersachsens Hauptstadt Ähnliches erlebt wie der Historiker Prof. Dr. Helmut Bley: Antirassistischer Vortrag wurde gestört und Infostand abgeräumt

Veröffentlicht am 02.04.2021

Pressemitteilung der Aktion 3.Welt Saar e.V., 2. April 2021

„Was jetzt Herrn Bley zugestoßen ist, mussten wir in Hannover vor vier Jahren in ähnlicher Weise durchmachen“, erklärt Klaus Blees von der NGO Aktion 3.Welt Saar e.V.. „Damals wurde ein rassismuskritischer Vortrag, den ich als Vertreter dieser Organisation hielt, von Menschen, die der Critical-Whiteness-Ideologie anhängen, massiv gestört und musste vorzeitig abgebrochen werden“, erinnert sich Blees und kritisiert: „Durch die Absage einer Online-Veranstaltung mit dem renommierten Historiker Helmut Bley ist die Stadt Hannover jetzt feige vor dem Druck einer selbsternannten antirassistischen Initiative eingeknickt.“ Die Veranstaltung sollte im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ stattfinden.

Der emeritierte Hochschullehrer setzt sich für die Aufarbeitung der deutschen Kolonialverbrechen in Ostafrika ein und sollte am 18. März zum Thema „Kolonialgeschichte von Afrikanern und Afrikanerinnen her denken“ referieren. „Ihm wird nicht etwa Rassismus vorgeworfen, was auch völlig absurd wäre“, stellt Blees klar. „Vielmehr wurde ihm als weißem, nicht selbst betroffenem Europäer das Recht und die Kompetenz abgesprochen, eine kolonialismuskritische Perspektive darzustellen.“


Gefangene Herero und Nama
(Foto: Unknown author, Herero and Nama prisoners, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons)

Wenn die Richtigkeit von Aussagen nicht mehr anhand nachprüfbarer Kriterien beurteilt, sondern nach der Hautfarbe und dem „Sprechort“ der betreffenden Person bewertet werde, reproduziere dies rassistische Denkmuster, statt sie zu überwinden, stellt Blees klar. „Derartige Identitätspolitik unterläuft den linken universalistischen Freiheits- und Gleichheitsanspruch.“

„Ist es Zufall, dass ich als Vertreter der linken, rassismuskritischen NGO Aktion 3. Welt Saar e.V. in Hannover ähnliche Erfahrungen machen musste wie jetzt Prof. Dr. Bley?“, fragt Blees. Am 15.2.17 hatte er dort zu der Frage: „Wie kritisch ist Critical Whiteness? Zur Kritik des neueren Antirassismus“ referiert. „Auf einem Infotisch von uns ausgelegte antirassistische(!) Materialien wurden in einem unbeobachteten Moment abgeräumt und entsorgt. Listen, in die sich Leute für unseren Newsletterverteiler eingetragen hatten, wurden gestohlen.“ Das passe zu dem, was jetzt Herr Bley erlebe: „Wer die identitätspolitische Neuausrichtung des Antirassismus nicht mitmacht, wird mundtot gemacht. Damit wird dem Kampf gegen Rassismus schwerer Schaden zugefügt“, resümiert Blees.

 

Hintergrundinformationen:

Streit um Rassismus-Vortrag – Nur ein bisschen gecancelt, taz 29.3.21:
https://taz.de/Streit-um-Rassismus-Vortrag/!5758214/
https://www.haz.de/ (mehrere Beiträge)

Erzwungener Abbruch der Veranstaltung zu Critical Whiteness in Hannover am 15. Februar 2017 mit einem Referenten der Aktion 3.Welt Saar e.V.
https://t1p.de/wt8m
https://www.facebook.com/a3wsaar/posts/1315583465196111

Die Aktion 3.Welt Saar e.V. ist eine allgemeinpolitische Organisation, die bundesweit arbeitet. Ihren Sitz hat sie im Saarland. Sie engagiert sich seit 1982 in der Lobbyarbeit für Flüchtlinge, arbeitet mit im Vorstand des Saarländischen Flüchtlingsrates und ist seit 2001 Teil des Netzwerkes, das sich für die Stilllegung des Abschiebegefängnisses Ingelheim bei Mainz ausspricht. Sie kämpft für die Aufarbeitung der deutschen Kolonialverbrechen und hat beispielsweise die Umbenennung der Paul von Lettow-Vorbeck Straße in Saarlouis erreicht, der Geburtsstadt des deutschen Kolonialmilitärs, einem der Hauptverantwortlichen für den Völkermord an den Herero. An seinem Geburtshaus im saarländischen Saarlouis wurde er lange als „unbesiegter ritterlicher Verteidiger Deutsch-Ostafrikas“ geehrt.
https://a3wsaar.de/fileadmin/Medien/Texte/Flugschriften/Flugschrift_vLV.pdf


Lettow-Vorbeck (rechts) als Manövergast im Kreise von Wehrmachtsgenerälen 1935
(Foto: Archiv Aktion 3. Welt Saar e.V.)

Um Know-how zu bündeln und zu vernetzen, hat sie das "Kompetenzzentrum Islamismus" aufgebaut. Dieses recherchiert und publiziert zu mit dem Islam begründeten Menschenrechtsverletzungen, organisiert Fachveranstaltungen und vermittelt ReferentInnen.
https://a3wsaar.de/islamismus
www.facebook.de/KompetenzzentrumIslamismus

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