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Die Aktion 3. Welt Saar veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen Flugschriften zu Themen, die es wert sind, genauer betrachtet zu werden.

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Aktuelles

Vortrag in Halle: "Wie kritisch ist Critical Whiteness - Zur Kritik des neueren Antirassismus"

Donnerstag, 29. Juni 2017, 18:15 Uhr

Veröffentlicht am 16.06.2017

Referent: Klaus Blees (Aktion 3. Welt Saar e.V.)

Halle Universität
Reichhardstraße 11
Seminarraum für Ethnologie

Veranstalterin: Opens external link in new windowGruppe "Gesellschaftskritische Odyssee", Halle 

"In den letzten Jahren sind Konzepte wie „Critical Whiteness“, „Cultural Appropriation“ und andere Ansätze der queeren Theorie, wie Homonormativität, unter einem emanzipatorischen Label gerade in linken und popkulturellen Medien en vogue geworden. Sie versprechen einen aufgeklärteren, kritischeren Umgang mit Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit sowie Fragen von Gender und einer gerechteren Gesellschaft. Man gewinnt den Eindruck, dass eine Auseinandersetzung mit den Konzepten und die Infragestellung des tatsächlichen emanzipatorischen Gehalts durch einen absoluten Wahrheitsanspruch des Konzeptes der „Betroffenheitsposition“ verhindert wird. Es entsteht das Problem, dass Erfahrungswissen und analytische Abstraktion, die für eine gesellschaftliche Auseinandersetzung notwendig sind, nicht mehr vermittelt gedacht werden: so können dann auch nur noch „betroffene“ Individuen oder Gruppen über einen gesellschaftlich relevanten Gegenstand reden oder darin zumindest das letzte Wort haben.

Im Februar 2017 erschien in diesem Kontext der Sammelband „Beißreflexe“ von Patsy l’Armour LaLove, der mit einem positiven Bezug auf die Entstehung der queeren Bewegung in den USA aktuelle Entwicklungen innerhalb von Theorie und queerer Szene kritisch in den Blick nimmt.

Die Veröffentlichung stieß prompt auf heftige Reaktionen, welche die Relevanz der Auseinandersetzung verdeutlichen: während KritikerInnen das Buch wegen seiner etwaigen *feindlichen Momente ablehnen, sehen andere Rezensionen das Potenzial in einer innerlinken und gesellschaftlichen Auseinandersetzung.

Ähnlich heftige Reaktionen riefen auch Vorträge der Gruppe „Aktion 3. Welt Saar“ zum Thema Kritik am Critical Whiteness-Konzept hervor, die mit massiver Vehemenz zu verhindern versucht wurden.

Mit den beiden Vorträgen wollen wir die Möglichkeit bieten sich kritisch mit den Konzepten auseinanderzusetzen: was sind die autoritären Sehnsüchte und Sprechverbote? Welche Funktion erfüllen sie und wie stehen sie im Verhältnis zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, in denen sich aus dem rechten Spektrum rassistische und antifeministische Positionen ausbreiten?"

Quelle: Opens external link in new windowGruppe "Gesellschaftskritische Odyssee", Halle: Make Identity great again- Über das Verhältnis von Gesellschaftskritik und Betroffenheitskitsch

VertreterInnen der Critical Whiteness (CW), der Kritischen Weißseinsforschung, haben in zentralen Punkten Recht. So ist es wichtig, zu lernen, auch bei weißen Antirassisten vorhandene, oft unbewusste rassistischen Stereotype selbstkritisch zu erkennen und wahrzunehmen und nicht mit der bequemen Floskel, alle Menschen seien gleich und man selber habe mit rassistischen Einteilungen nichts zu tun, zu übertünchen.

Jedoch sind – im Gegensatz zum Anspruch der CW-Anhänger, etwas Neues in den antirassistischen Diskurs eingebracht zu haben – derartige Forderungen nach selbstkritischer Reflexion nicht ihre Erfindung, sondern waren zuvor schon Bestandteil der Rassismuskritik. Die Behauptung, bis dato übersehene Lücken und blinde Flecken im antirassistischen Diskurs erstmals sichtbar gemacht zu haben, dient den CW-Vertretern dazu, ihren Ansatz als originell zu verkaufen.

CW lässt sich zunächst einmal zugute halten, den Blick hierauf erneut geschärft zu haben. Doch bleiben einflussreiche Teile der CW nicht bei der Analyse subtiler rassistischer Strukturen stehen, sondern fallen im Gegenteil hinter die emanzipatorischen, herrschaftskritischen Ansätze des klassischen Antirassismus zurück: Sie führen durch die Hintertür biologistische Kategorien wieder ein. Weiße sind nach ihrem Verständnis an sich in einer privilegierten Situation. Ihnen wird das Recht abgesprochen, aus sich heraus eine kritische Position zum Rassismus einzunehmen. Die Definitionsmacht, was rassistisch ist und was nicht, wird ausschließlich Menschen nichtweißer Hautfarbe, den „People of Color“, zugestanden. Deren Definitionen dürfen nicht kritisch hinterfragt werden, Weiße müssen sich ihren Urteilen bedingungslos unterwerfen. Doch „People of Color“, etwa Flüchtlingsaktivisten, die mit der CW-Ideologie nicht vertraut sind und deren Jargon nicht erkennen, werden ebenfalls gemaßregelt und auf die Sprachregelungen der CW verpflichtet.

Der Vortrag setzt sich vor allem mit dieser Rückkehr biologistischer Kategorien im Gewand des Antirassismus auseinander, als einem Rassismus mit umgekehrtem Vorzeichen. Diese Ausformung von CW wird als Neuauflage des Kulturrelativismus im modernen Gewand analysiert. Denn Kulturrelativisten schreiben bereits seit Jahrzehnten „nichtwestlichen“ Lebensweisen einen positiven Wert an sich zu, unabhängig davon, was diese Kulturen an Unterdrückungsstrukturen für ihre „ihre Mitglieder“ beinhalten.

Klaus Blees ist Mitarbeiter im Kompetenzzentrum Islamismus der Aktion 3.Welt Saar.

Lesetipp: Unter dem Titel „Wir teilen den sprachlichen Rigorismus nicht“ erschien 2015 ein Interview zur kritischen Weißseinsforschung in der Zeitschrift Phase 2 (Heft 51) mit Klaus Blees und Roland Röder von der Aktion 3.Welt Saar (PDF).

Weitere Informationen in unserer Flugschrift "'Afrika ist schwarz. Wirklich?' - AfrikaBilder in Kinderbüchern - eine kritische Reflexion" (PDF)

Interview mit Opens external link in new windowGertrud Selzer zum Thema "Rassismus in Kinderbüchern".

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