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Das stört! - Ulrich Commerçon (SPD) & Roland Theis (CDU) lesen der Aktion 3.Welt Saar e.V. die Leviten

Frühlingsempfang der AKTION 3.WELT SAAR mit Standpunkten, interessanten Gästen, gepflegtem Talk und leckerem Essen

Frühlingsempfang "Das stört!"

Dienstag - 17. April 2018 – Beginn 20 Uhr,
Merzig, Fellenbergmühle, Marienstraße 34.

Anmeldung erforderlich

Wir haben den saarländischen Kultusminister Ulrich Commerçon und den Justizstaatssekretär Roland Theis  eingeladen, uns zu erzählen, was ihnen NICHT an der Aktion 3.Welt Saar e.V. gefällt. Die beiden Herren werden also nicht mit den üblichen Plattitüden oder einer Laudatio beginnen à la „Ich freue mich hier zu sein. / Ich finde die Aktion 3. Welt Saar eigentlich ganz gut, aber….“.  Nichts von alledem. Beide fangen gleich mit ihrer Kritik an und äußern nichts Positives über uns. Sie müssen also das Gegenteil von dem machen, was sie seit Jahrzehnten vieltausendfach in ihrem parteipolitischen Alltag machen. Kein Lob, kein Schulterklopfen, kein Scheck, keine Streicheleinheiten. Wir wissen um die Schwere ihrer Aufgabe und werden uns unsererseits daran halten, die beiden Beiträge anschließend NICHT zu kommentieren. Ehrenwort.


Ulrich Commerçon                         Roland Theis

Warum machen wir dies? Wir kritisieren regelmäßig Parteien und ihr Personal. Jetzt bieten wir Augenhöhe an. Für uns ist Kritik nichts Negatives, sondern etwas eminent Wichtiges & Positives. Dass wir gut sind, wissen wir selbst. Aber wir wollen besser werden. Und in den Ligen, in denen wir politisch agieren, kommt es nicht auf Sekunden, sondern auf Zehntel und Tausendstel Sekunden an. Wir wollen schließlich etwas verändern.

Zu Beginn des Frühlingsempfangs wird Gertrud Selzer vom Vorstand der Aktion 3.Welt Saar e.V. über unsere nächsten Vorhaben informieren:

  • Zum Beispiel „ERNA goes fair – Für eine Faire Landwirtschaft weltweit“
  • Zum Beispiel „Islamismus nein – Flüchtlinge ja“
  • Zum Beispiel: „Fairer Handel ohne das gewerkschaftsfeindliche Transfair-Siegel“
  • Zum Beispiel: „Juden und Radfahrer beherrschen die Welt. Wieso Radfahrer?“
  • Zum Beispiel: „Welches afrikanische Land hat ein Ministerium zur Entwicklung Europas?“

Wir freuen uns, wenn Sie unser Gast beim Frühlingsempfang „Das stört!“ sind.

Für den Vorstand der Aktion 3.Welt Saar e.V.
Christian Hirsch
Gertrud Selzer
Barbara Hilgers
Michael Scherer
Max Gerlach

Hier geht es zur Einladung als PDF

 

 

 

Bildgalerie Frühlingsempfang "Das stört!"

17. April 2018, Merzig, Fellenbergmühle
Das stört! - Ulrich Commerçon (SPD) & Roland Theis (CDU) lesen der Aktion 3.Welt Saar e.V. die Leviten.
© Fotos: Max Gerlach, Aktion 3.Welt Saar e.V.

„Eine gewisse gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“

Frühlingsempfang "Fluchtgrund Islamismus" mit Ruhan Karakul, Alevitische Gemeinde BaWü

Frühlingsempfang der AKTION 3.WELT SAAR mit Standpunkten, interessanten Gästen, gepflegtem Talk und leckerem Essen

„Fluchtgrund Islamismus“
Mittwoch - 3. Mai 2017 – Beginn 20 Uhr,
Merzig, Fellenbergmühle, Marienstraße 34.

Anmeldung erforderlich (hier: PDF)

Viele der 60 Millionen Menschen, die derzeit auf der Flucht sind, fliehen vor Islamisten: Vor deren Terror und Kriegen ebenso wie vor alltäglicher Unterdrückung und Verfolgung. Die meisten Flüchtlinge hierzulande kommen aus islamischen Ländern wie Syrien, Irak, Afghanistan, Iran, Türkei. Mal fliehen sie vor dem so genannten Islamischen Staat, mal vor dem Staatsislamismus in der Türkei und im Iran. Trotzdem erklärt Deutschland Afghanistan zum „teilweise sicheren Herkunftsland“ und schiebt dorthin ab. 

Betroffen von den Verfolgungen, die mit dem Islam begründet werden, sind Frauen, Schwule, Lesben, Angehörige nichtmuslimischer Religionen, AtheistInnen, Muslime, die der „falschen“ Art des Islam anhängen, kritische BloggerInnen und JournalistInnen.  In etlichen islamischen Ländern sind Steinigung bei Ehebruch, Hinrichtung von Schwulen sowie Todesstrafe für den Abfall vom Islam Teil des islamischen Rechts, der Scharia. Ebenso werden familiäre Gewaltakte wie Zwangsverheiratungen und Ehrenmorde islamisch begründet. Seitens der Aktion 3.Welt Saar e.V. bekämpfen wir Islamismus und unterstützen Flüchtlinge. Dafür gründeten wir 2006 das Kompetenzzentrum Islamismus. Es bündelt Know-How, vernetzt, recherchiert und publiziert zu Menschenrechtsverletzungen, die mit dem Islam begründet werden, organisiert Fachveranstaltungen und vermittelt ReferentInnen.

Ruhan Karakul, Alevitische Gemeinde BaWü

Als Gastrednerin haben wir RUHAN KARAKUL eingeladen. Sie ist Co-Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde Baden-Württemberg und arbeitet als Rechtsanwältin in Mannheim. Mit der Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V. arbeitet die Aktion 3.Welt Saar e.V. seit vielen Jahren eng und vertrauensvoll zusammen. Aleviten bilden die in der Türkei am stärksten verfolgte religiöse Minderheit.

GERTRUD SELZER vom Vorstand der Aktion 3.Welt Saar e.V. begrüßt die Gäste und gibt einen Ausblick auf die Vorhaben in den nächsten Monaten.

Für den Vorstand der Aktion 3. Welt Saar: Christian Hirsch, Gertrud Selzer, Barbara Hilgers, Michael Scherer, Stefan Frank 

++++ Eilmeldung ++++ Eilmeldung ++++ Eilmeldung ++++

Verrückt: Das CSU-geführte Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat im April nach einer Intervention des Linken MdB N. Movassat gegen unsere Islamismus-Arbeit den Jahreszuschuss für unser bundesweit erfolgreiches Agrarprojekt „ERNA goes fair“ gestrichen.

 
 

(c) Björn Anton, Hans Wolf, Aktion 3.Welt Saar

Frühlingsempfang, 15. April 2015 - Danke für Kobane

Frühlingsempfang der Aktion 3.Welt Saar mit Standpunkten,  interessanten Gästen, gepflegtem Talk und leckerem Essen

„Freiheit oder Barbarei? – Danke für Kobanê”

Mittwoch - 15. April 2015
Beginn 20 Uhr,
Merzig, Fellenbergmühle, Marienstraße 34.

Die Bilder von Kobanê in Nordsyrien gingen um die Welt: Bilder des verzweifelten Kampfes von Kurden und Kurdinnen gegen die Terrorbanden des „Islamischen Staates (IS)“. Es ging sprichwörtlich um  „Freiheit oder Barbarei“. Im Februar 2015 gelang es den Kurden nach monatelanger Belagerung, den IS aus Kobanê zu vertreiben. Erst langsam beginnt wieder das zivile Leben. Aber die Wunden - hunderttausende Flüchtlinge und zerstörte Infrastruktur – werden lange bleiben. Kobanê liegt in Rojava, der kurdischen Selbstverwaltungsregion, die während des syrischen Bürgerkrieges entstand.

Es waren Einheiten der YPG (Volksverteidigungseinheiten), der bewaffnete Arm der syrischen PYD (Partei der Demokratischen Union) und der mit ihr verbündeten PKK (Kurdische Arbeiterpartei), die diesen Sieg errungen haben. Punktuell unterstützt von Waffenlieferungen und Bombardements der USA. Diese Kooperation irritiert. Und es irritiert, dass die PKK in Deutschland seit 1993 (!) immer noch verboten ist, was den Alltag von mehreren hunderttausend KurdInnen in Deutschland einschränkt. Wie kann es sein, dass eine Organisation, die gegen den IS Terror kämpft, verboten ist? Für die Aktion 3.Welt Saar ist es Zeit, dieses Verbot aufzuheben. Und wir möchten beim Frühlingsempfang denen, die diesen Kampf „Freiheit oder Barbarei“ erfolgreich geführt haben, DANKE sagen. Zusätzlich stellen wir die wichtigsten Vorhaben und Projekte der Aktion 3.Welt Saar für 2015 vor.

Das Programm

  • Musik - Koma Mezopotamya, kurdische Folklore
  • Begrüßung und Ansprache - Gertrud Selzer, Vorstand der Aktion 3.Welt Saar
  • Grußwort - Gernas Gezici, Remzye Eke - Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde Saarland Kobanê nach der Befreiung“
  • Vertreter von NAV-DEM e.V., Dachverband kurdischer Vereine in Deutschland


Wir freuen uns über Deine / Ihre Teilnahme. Dazu ist eine Anmeldung erforderlich.

Hier geht es zur Anmeldung (pdf).

Saarbrücker Zeitung am 04. Mai 2015 über den Frühlingsempfang

Die Saarbrücker Zeitung (Ausgabe Merzig-Wadern) veröffentlichte am 04. Mai 2015 den Artikel "Standpunkte, Diskussionen, neue Projekte: Empfang der Aktion 3.Welt Saar mit kurdischen Gästen – Motto: 'Freiheit oder Barbarei – Danke für Kobanê'. Statt eines Neujahrs- ein Frühlingsempfang: Diese pfiffige Idee hatte die Aktion 3.Welt Saar. Zahlreiche Gäste waren dazu in die Fellenbergmühle nach Merzig gekommen."

Artikel Standpunkte, Diskussionen, neue Projekte: Empfang der Aktion 3.Welt Saar mit kurdischen Gästen – Motto: 'Freiheit oder Barbarei – Danke für Kobanê' als PDF-Datei (zwei MByte).

Bildergalerie Frühlingsempfang, 15. April 2015

 
 

© 2015 Aktion 3.Welt Saar. Die Fotos können gegen Abdruck der Quellenangabe frei verwendet werden für nicht-kommerzielle Zwecke

Neujahrsempfang am 22. Januar 2014 in Merzig, Fellenberg-Mühle

Die Veranstaltung stand unter dem Motto:

“This land is your land, this land is my land,
From California, to the New York Island,
From the Redwood Forest, to the Gulf Stream Waters,
This land was made for you and me.”
Woody Guthrie

Die Rede von Hans Wolf "Was trägt die Aktion 3. Welt Saar zur Teilhabe aller bei? " als PDF-Datei.

Gastredner Alfred Staudt von ver.di redete Klartext: Es ist genug für alle da

„This land is your land, this land is my land…..This land was made for you and me“ (Woody Guthrie). Volles Haus beim Neujahrsempfang der Aktion 3.Welt Saar.

Mit Spannung wurde der Auftritt von Alfred Staudt (ver.di) beim Neujahrsempfang der Aktion 3.Welt Saar in der Fellenbergmühle Merzig erwartet. Es war seit langem der erste öffentliche Auftritt des ver.di Landesbezirksleiters Saar. Motto des Empfangs war der weltberühmte Song „This land is your land, this land ist my land“ des US-Sängers Woody Guthrie von 1940, der auch von Bruce Springsteen, Neil Young und Tom Morello gecovert wurde. Dies Glücksversprechen auf die Teilhabe aller an den Reichtümern einer Gesellschaft ist nicht nur die zentrale Botschaft des Songs, sondern auch der Kern des politischen Wirkens von Gewerkschaften und der Aktion 3.Welt Saar.

 
 

Das Haus beim Neujahrsempfang war voll. Viel Prominenz aus dem öffentlichen Leben und von Kooperationspartnern hatte sich eingefunden: Die MdLs Stefan Krutten (SPD), Stefan Palm (CDU), Dagmar Ensch-Engel (linke), Klaus Kessler (Grüne), die MdBs Thomas Lutze (Die Linke), Markus Tressel (Grüne), Ulrich Heintz Landesvorsitzender des NABU Saar, Katrin Frey vom Kultusministerium, Mark Indig, Vorsitzender der Deutsch Israelischen Gesellschaft Trier, Alois Engeldinger, Vorsitzender der Obst- und Gartenbauvereine Merzig-Wadern, Joachim Boesen, Vorsitzender der saarländischen Milchbauern, Thomas Schulz Pressesprecher des DGB Saar, Peter Nobert vom Vorstand des Saarländischen Flüchtlingsrates, Vertreter von attac, der Antifa, Piratenpartei, der Saarbrücker Faninitiative fcs.antiraciste.

„Spätestens nach der Kommunalwahl und nach der EU-Wahl werden wir ein blaues Wunder erleben beim flächendeckenden Abbau öffentlicher Dienstleistungen“, so Staudt. Der Abbau werde ein Ausmaß erreichen, was sich viele heute nicht vorstellen wollen. Die Landesregierung, so Staudt, würde bewusst bis nach den Wahlen damit warten. Er kritisierte die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums, die fälschlicherweise als Sparen schön geredet werde, obwohl genügend Geld vorhanden sei. Das Problem sei lediglich die Verteilung. „Der Stellenabbau, was ja gleichbedeutend ist mit der Reduzierung von Gesundheitsleistungen ist für mich nicht alternativlos. Die Alternative liegt in einer gerechteren Besteuerung, die alle Einkommen einbezieht“, so Staudt. Dazu präsentierte er ein differenziertes Steuermodell seiner Gewerkschaft.

Hans Wolf vom Vorstand der Aktion3 .Welt Saar lobte die Geradlinigkeit von Staudt, „die ihn für manche zur Nervensäge macht, weil er nicht alles mitmacht“ und wegen fehlender Perspektive aus den Verhandlungen mit der Landesregierung über den Stellenabbau austrat.

„Erstmal wollen wir vor unserer eigenen Tür kehren, bevor wir anderen Ratschläge erteilen“, so Hans Wolf von der Aktion 3.Welt Saar. Er kritisierte die Gewerkschaftsferne im Fairen Handel und nannte als Beispiel die Kooperationen mit Lidl und Starbucks. Zusätzlich hätten von den drei großen Importorganisationen zwei keinen Betriebsrat. „Die Kernbotschaft des Songs ‚This is your land’ zur Teilhabe aller ist der rote Faden in unserer politischen Arbeit, auch wenn der Einsatz für soziale Gerechtigkeit keinen Eventcharakter hat und bieder wirkt“, so Wolf. Aber ohne Gewerkschaften wäre die Welt ärmer und die meisten Menschen auch ganz konkret ärmer. Neben dem Fairen Handel setzt sich die Aktion 3.Welt Saar in vier unterschiedlichen Bereichen für mehr Teilhabe ein: Sei es bei der Unterstützung von Bauern nicht nur billige Rohstofflieferanten zu sein, bei der Unterstützung von Flüchtlingen, beim Zurückdrängen von Islamisten oder bei der Kritik an NGOs, die in manchen Hilfsprojekten viel Besserwisserei transportieren und damit Menschen von der Teilhabe ausschließen.

Fotos vom Neujahrsempfang der Aktion 3.Welt Saar
Honorarfrei, Quelle: Aktion 3.Welt Saar

Siehe auch Opens external link in new windowVeröffentlichung im Wochenspiegel.

Neujahrsempfang am 15. Januar 2013

Bilder vom Neujahrsempfang der AKTION 3. WELT Saar, der am 15. Januar 2013 in der Fellenberg Mühle in Merzig stattfand und das Thema "Entwicklungspolitik zwischen Hilfe & Hilfsbusiness" beleuchtete. Viele Unerschrockene scheuten nicht - trotz des Schneewetters - nach Merzig zu kommen. Vielen Dank allen, die da waren!

Über die Vorhaben der Aktion 3.Welt Saar in 2013 und die vermeintliche Unschuld von 3.Welt Projekten am Beispiel von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Palästina informierten Gertrud Selzer, Vorstandsmitglied der Aktion 3.Welt Saar, und Alex Feuerherdt, Publizist, Köln, Mitarbeiter der Aktion 3.Welt Saar.

NGOs sind in vielen Teilen der Welt tätig. Mit Spendengeldern und sonstigen Zuweisungen bauen sie Straßen, Häuser, unterstützen Organisationen, verteilen Aufträge und leisten Hilfe. Dabei verfolgen sie auch politische Ziele, die nicht auf direkte Hilfe ausgerichtet sind. So legitim es ist, das Handeln von Regierungen und Unternehmen unter die Lupe zu nehmen, so legitim ist dies auch für NGOs. Die NGO-Dichte in den palästinensischen Gebieten ist weltweit am höchsten, obwohl es auf dieser Welt weitaus schlimmere Krisengebiete gibt. Der Referent Alex Feuerherdt beschäftigt sich mit den Zielen der NGOs in palästinensischen Gebieten, der Motivation ihrer Mitarbeiter und ihrer Finanzierung. Und er stellt die Frage: Könnte es sein, dass manche NGOs eher an einer Fortsetzung des Konflikts als an dessen Beilegung interessiert sind?

Die Aktion 3.Welt Saar hat seit ihrer Gründung kein Projekt in der so genannten 3.Welt, weil sie nicht andere entwickeln möchte. Gleichzeitig ist ihr aber dieser Teil der Welt nicht egal, denn die Politik hier hat direkte Auswirkungen auf die 3.Welt. Deshalb heißt ihr Entwicklungsland Deutschland. Zum Beispiel in dem Projekt „ERNA goes fair – für eine faire Landwirtschaft weltweit“. Dort arbeitet sie unter anderem mit Bauern und Gewerkschaftern zusammen, was bundesweit einzigartig ist. Sie engagiert sich für weniger Sojaimporte als Futtermittel aus der 3.Welt und weniger Export von Milchpulver in die 3.Welt, da beides Bauern dort schadet. Oder beispielsweise in mehreren Projekten für hier lebende Flüchtlinge. Denn Flucht ist kein Verbrechen. Flüchtlinge sind Subjekte und keine Objekte zum Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes. 

Der Vortrag von Alex Feuerherdt "Entwicklungspolitik zwischen Hilfe & Hilfsbusiness"

Neujahrsempfang der Aktion 3. Welt Saar, 25. Januar 2012, Fellenbergmühle Merzig

Redebeitrag von Roland Röder, unter anderem über die "Agenda 21", dem Abschlussdokument der Konferenz von Rio (1992)
Es gilt das gesprochene Wort.

An dem Empfang nahmen über 100 Personen teil: VertreterInnen von Kooperationspartnern der Aktion 3.Welt Saar, Verbände, Initiativen, Kirchen, Landtagsabgeordnete, ParteipolitikerInnen.

 



Liebe Freunde und Freundinnen, lieber Mitglieder, liebe Gäste, liebe Fußballfans,

ich begrüße Sie alle herzlich zum Neujahrsempfang 2012 der Aktion 3.Welt Saar. Es ist eine unserer ersten Veranstaltungen in unserem Jubiläumsjahr 2012:

„30 Jahre Aktion 3.Welt Saar (1982-2012)
Kritisch – unabhängig – mit Biss“

Ich sehe viele unterschiedliche Gesichter, die auch ganz unterschiedlichen Organisationen angehören & ebenso sehr unterschiedliche Themen vertreten. Herzlich willkommen. Dies gilt auch für die anwesenden Mitglieder der Aktion 3.Welt Saar.

Im Gegensatz zu den bisherigen Empfängen haben wir dieses Jahr die Anzahl der Sitzplätze erhöht, aber den Stehplatzbereich beibehalten – wie im Fußballstadion.Bevor es an die Getränke und das Essen geht, gibt es noch etwas geistige Nahrung. Wir haben Ihnen in der Einladung versprochen, dass wir Ihnen neben Politik & Musik noch die üblichen Irritationen bieten: Standpunkte aber kein Haudrauf-Remmidemmi

Wir fingen 1982 mit einem kleinen 3.Welt Laden an. Daraus hat sich eine agile, bundesweit tätige politische Organisation entwickelt, die politisch, aber nicht parteipolitisch agiert und sich ihre finanzielle Unabhängigkeit erstritten hat. Heute geben wir zu unterschiedlichen Themen wie Agrar, Fairer Handel, Asyl, Rassismus, Welthandel, Islamismus, Umwelt, Antisemitismus und noch einigen mehr unseren Senf dazu. Immer im Mittelpunkt: Soziale Gerechtigkeit. Also der Anspruch, dass alle Menschen Zugang zu den materiellen und kulturellen Gütern ihrer Gesellschaft haben. Es ist schließlich genug für alle da.

Alleine mit den in Europa und in Nordamerika weg geworfenen Lebensmitteln könnten alle Hungernden satt werden. Dreimal. Eine faire Landwirtschaft weltweit ist auch das Ziel unseres Projektes „ERNA goes fair“. Ein bundesweit einzigartiges Vernetzungsprojekt von Bauern, Gewerkschaftern, Umweltschützern und 3.Welt Engagierten. erna.a3wsaar.de Bundesweit einzigartig ist die Beteiligung von Gewerkschaften.

20 Jahre Rio Konferenz „Umwelt & Entwicklung“

Und es gibt noch ein Jubiläum, wenn schon nicht zu feiern, dann zur Kenntnis zu nehmen.
Vor 20 Jahren trafen sich 1992 Staats- und Regierungschefs im brasilianischen Rio zur UN-Konferenz „Umwelt & Entwicklung“.
Positiv war, dass die Umweltfrage im internationalen Politikbetrieb Beachtung fand. Weniger glücklich geriet das Abschlussdokument „Agenda 21“.
Immerhin plädierte es für Agro-Gentechnik, für Atomenergie und sprach Menschen in der sog. 3.Welt das Recht auf eine eigenständige Entwicklung ab. Damals wie heute drei Irrwege. Aus heutiger Sicht mutet es anachronistisch an, dass sich überhaupt einige Umwelt- und 3.Welt Organisationen positiv darauf bezogen.

Bei Konferenzen dieser Art:
- sucht man den kleinsten gemeinsamen Nenner
- pflegt man den grün gefärbten Nachhaltigkeits - Diskurs
- bleibt letztlich alles beim Alten, die Frage der Wirtschaftsdemokratie wird erst gar nicht gestellt
- wird ebenso wenig unsere technikfixierte Lebens- und Wirtschaftsweise in Frage gestellt, die im Übrigen eine recht imperiale Lebensweise ist. Schauen wir uns nur mal an, mit welcher Selbstverständlichkeit wir Güter von überallher verbrauchen & lange vor Ablauf des Gebrauchwertes wegwerfen.

Ich beobachte im Umfeld solcher Konferenzen zudem eine Tendenz zur Entpolitisierung.
Nach dem Motto: „Was kann ich tun, denn ich will nicht nichts tun.“ (Punkband, Die Fremden) verabschieden sich auch die NGO’s davon, den großen Wurf zu denken, geschweige denn zu praktizieren.
Stattdessen fokussiert man sich auf kleine Verbraucher-Konsum-Projekte und verliert die Dimension des Politischen aus dem Auge. Ich habe überhaupt nichts gegen solche Projekte – ich engagiere mich ja schließlich selbst seit 30 Jahren für den fairen Handel. Für uns ist dies aber keine Nische zur Gewissensberuhigung. Wir wollen nicht ein Stück des Kuchens, wir wollen die ganze Bäckerei.

Lassen Sie mich noch kurz zurück kommen zur Konferenz Rio 1992, die im übrigen dieses Jahr eine Neuauflage erfährt. Dies wird dann von vielen NGO’s aus der Umwelt- und entwicklungspolitischen Szene gebührend gewürdigt.

Uns wurde bei unserer Kritik oft entgegen gehalten, die Kritik sei ja richtig, aber es komme schließlich darauf an, was man daraus macht.
Das halte ich für Unfug. Warum?
Es kommt ja auch kein normal tickender Mensch z.B. als Sozialdemokrat auf den Gedanken in Merzig einen Umwelt AK der CDU zu gründen oder umgekehrt.
- oder einen OV der NPD zu gründen und auf die Kritik, diese sei eine rassistische und antisemitische Partei zu antworten – ja, ja schon richtig, aber es kommt darauf an, was man daraus macht.

Das Dokument agenda 21 ist pro Gentechnik und pro Atomenergie. Wenn ich gegen diese Techniken bin, nehme ich mir eine andere Geschäftsgrundlage.

Man kann doch als Umweltverband oder entwicklungspolitische Organisation nicht einerseits Parteien mit großem medialen Getöse Unglaubwürdigkeit vorwerfen, wenn man andererseits selbst als Verband sein Fähnchen nur in den Wind hält. Eine andere Form von Unglaubwürdigkeit habe ich am Wochenende beim Agrar-Empfang in der saarländischen Landesvertretung in Berlin im Rahmen der grünen Woche: (Freitag, 20.1.2012, „Weizen im Tank – Kampf um die Anbauflächen“) erlebt:
Der Vorsitzende des Saarl. Bauernverbandes Klaus Fontaine sprach von einer Bevölkerungsexplosion in der 3.Welt
Der Vorsitzende des NABU – Deutschland, Olaf Tschimpke, der ansonsten viel Sinnvolles ausführte, sprach immer wieder von Entwicklungsländern.
Und in einem Redebeitrag bei der Demonstration „Wir haben es satt  Bauernhöfe statt Agrarindustrie“, die wir mitorganisiert hatten, (Berlin, 21.1.2012), war auf einmal von einem Hühner-KZ die Rede.

Im Klartext:

  1. Menschen, die geboren werden, explodieren nicht.
  2. „Die anderen“ sind nicht unterentwickelt. Wo Menschen sind, ist Kultur. Und
  3. KZ’s gab es mal in Deutschland. Aber Hühner werden heute NICHT in KZ’s gehalten. Selbstverständlich lehnen wir die Massentierhaltung von Hühnern ab.

Diese Richtigstellungen müssen auch der Fraktion Öko & Agrar zugemutet werden.

Es reicht auch nicht aus darauf zu verweisen, dass man dies eben umgangssprachlich so sagt. Wer es nötig hat, andere abzuwerten, und es noch gut dabei meint, sollte vielleicht mal eine Pause machen, sich sammeln und ein politisches Buch lesen. Gut gemeint ist auch im Fußball das Gegenteil von gut gemacht.

Und wir sollten statt Lebensmittel in die Tonne zu treten, sollten wir die agenda 21 in die Tonne treten und der thermischen Resteverwertung zuführen.

Weitere Standpunkte gibt es jetzt

musikalischerseits von der brasilianischen Jazz-Gitarristin Ignez Carvalho
und danach von Michael Scherer, Vorstandsmitglied der Aktion 3.Welt Saar, der Ihnen unsere Jahresplanung 2012 vorstellen wird. Danach kommt der schmackhaftere Teil des Abends.

Erlauben Sie mir noch einen Hinweis in eigener Sache:
Die A3WS wird in diesem Jahr 30 Jahre alt. Wir haben uns das bescheidene Ziel gesetzt, 30 + x neue Mitglieder in diesem Jahr zu finden. Damit wollen wir heute anfangen. Zwei haben wir schon. Schon mal überlegt, Fördermitglied der A3WS zu werden? Sie legen den Monatsbeitrag selbst fest.
Warum eigentlich? Nun, finanzielle & politische Unabhängigkeit gibt es nicht zum Nulltarif.
Bei unseren Positionen fallen wir aus vielen Förderungen heraus.
Wer Fördermitglied wird, macht den Aktiven auch Mut – wir sind allesamt auch nur Menschen und bekommen sehr häufig wg. unserer Positionen eine aufs Maul.

Gemeinsam wird es gelingen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Freuen Sie sich mit mir auf Ignez Carvalho und Michael Scherer.