"Brot statt Böller" Appell einstellen

Lustfeindlichkeit und schlechtes Gewissen helfen nicht gegen Hunger - Kann denn Feiern Sünde sein?

Feuerwerk in den 'eigenen Reihen' wird nicht kritisiert

Andere Agrarpolitik ohne Gentechnik hilft gegen Hunger

Die "Aktion 3.Welt Saar" (A3WS) fordert Hilfsorganisationen auf, den Appell "Brot statt Böller" einzustellen. "Der Aufruf trägt eine gehörige Portion Lustfeindlichkeit zur Schau und appelliert lediglich an das schlechte Gewissen", so Hans Wolf vom Vorstand der "Aktion 3.Welt Saar". "Auffallend ist, dass die Kritik am Silvesterfeuerwerk ansetzt, wenn 'die breite Masse' Raketen zündet, nicht aber am Feuerwerk 'in den
eigenen Reihen', beispielsweise nach Klassik-Open-Air-Konzerten oder in Saarbrücken am Vorabend des Jahrestages der französischen Revolution", so Hans Wolf.  Der unterstellte Zusammenhang zwischen dem
Silvesterfeuerwerk sowie Hunger und Armut in der Welt ist beliebig gewählt und existiert nicht. Genauso gut könnte man dazu aufrufen, keine Weihnachtsbäume und Bücher zu kaufen oder Fußballspiele ausfallen zu lassen. Auch der aktuelle Vorschlag, sich an einem "virtuellen Taschenfeuerwerk als App" für das iPhone, iPod oder iPad zu erfreuen, wirkt künstlich bemüht und hilflos. "Der Einsatz für Gerechtigkeit und
Solidarität führt ins Leere, wenn er mit einer Leidensmiene und dem moralischen Zeigefinger einher geht", so Wolf.  Zum Wesen des Menschen gehört in allen Kulturen das Feiern, der Rausch, die Verausgabung - für
manche eben auch die Freude am Feuerwerk. Dies sollte respektiert werden. Dass Menschen hungern, obwohl es genügend Nahrungsmittel gibt, liegt an der Verteilung und an der Verwendung von Nahrungsmitteln als Viehfutter. Denn Hunger ist kein Schicksal, sondern wird gemacht.

Um Hunger zu bekämpfen schlägt der Weltagrarbericht eine andere Agrarpolitik vor. Dazu gehört die Abkehr von der viel gepriesenen Liberalisierung des Welthandels und von der Vorrangpolitik für Gentechnik. Stattdessen muss weltweit die bäuerliche Landwirtschaft den Vorzug vor der industriellen Landwirtschaft bekommen. Neuerdings konkurriert der Anbau "nachwachsender Rohstoffe" in der 3.Welt für den Bioboom in Europa mit dem Anbau von Nahrungsmitteln. Umgekehrt sorgen subventionierte Agrarexporte aus Europa - vor allem Milch und Fleisch - dafür, dass Märkte in der 3.Welt zusammenbrechen, bäuerliche Existenzen
vernichtet werden und Menschen verhungern.

Informationen:
Aktion 3.Welt,Saar, Weiskirchener Str. 24, 66679 Losheim am See, Tel 06872/9930-56,
www.a3wsaar.de, E-Mail: mail@a3wsaar.de


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