Aufarbeitung des Systems „Röchling“ im Nationalsozialismus steht erst am Anfang - Projektgruppe vorgeschlagen

Beim Thema Zwangsarbeit muss die Perspektive der Opfer und nicht die der Täter im Mittelpunkt stehen

Zum Ende der Ausstellung „Die Röchlings und die Völklinger Hütte“ im Weltkulturerbe bedauert Stefan Frank vom Vorstand der Aktion 3.Welt Saar eine vertane Chance: „Die Aufarbeitung der brisanten Themen rund um die Völklinger Hütte war mangelhaft. Der hohe Aufwand zur Produktion der Show ist wirkungslos verpufft, da die Leihgaben und Archivalien ohne didaktisches Konzept zusammengeflickt wurden“. Die Ausstellung riss wichtige Themen an und sparte auch Negatives zur saarländischen Industriellendynastie nicht aus. Ebenso wurden die Exponate der Ausstellung auf hohem ästhetischen Niveau präsentiert. Damit wäre benannt, was uns positiv aufgefallen ist. Für die nötige Aufarbeitung schlägt die Aktion 3.Welt Saar eine offene Projektgruppe vor, die auch mit der Uni des Saarlandes kooperiert.

Die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Sujet war dagegen  von banaler Schlichtheit. Ohne die Texte des Begleitkatalogs wären die inhaltlichen Verkürzungen unerträglich gewesen, da die Themen Zwangsarbeit, Arbeitserziehungslager Etzenhofen und Hermann Röchlings Kriegstreiberei nur oberflächlich angekratzt wurden. So widmete sich ein Drittel der Ausstellung kreuzbrav der Röchlingschen Selbstdarstellung ökonomischer Potenz. Besonders ärgerlich war die fehlende didaktische Aufbereitung der Ausstellung. Für Schülerinnen und Schüler blieb die „Show“ ungenügend, da ihr jegliche Didaktisierung fehlte . Nur mit einer gehörigen Portion geschichtlichen Wissens ausgerüstet, konnte die Ausstellung mit Gewinn betrachtet werden.

In dieser Form ist die dauerhafte Institutionalisierung der Ausstellung zwecklos. Von regionalgeschichtlicher Bedeutung wäre sie, wenn folgende Aspekte fokussiert würden:

  • Kriegstreiberei zur persönlichen Bereicherung auf Kosten der Bevölkerung.
  • Strukturelle Gewalt im Arbeitserziehungslagers Etzenhofen
  • Barbarei des Russenlagers (euphemistisch: „Ausländerkinder-Pflegestätte“)

„Ich bezweifele, dass die Ausstellungskonzeption Dr. Meinrad-Maria Grewenigs Einfluss überlassen werden darf. Das pompöse Spektakel ist Grewenigs unbestreitbare Stärke, jedoch erfordert die Aufarbeitung dieser Themen ein ernsthaftes Herangehen“, so Frank. Die Opfer wie ZwangsarbeiterInnen und deren Angehörige verdienen einen angemessenen Umgang mit der eigenen Historie.

Hintergrundinformation:
Die Aktion 3.Welt Saar ist eine allgemeinpolitische Organisation, die bundesweit arbeitet. Ihren Sitz hat sie im Saarland. Sie ist Trägerin des Ökumenischen Förderpreises 2015. Sie veröffentlichte in den letzten Jahren verschiedene Publikation zum NS im Saarland, die u.a. auf dem Lehrplan für Gemeinschaftsschulen stehen:
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