»Gegen das Vergessen« - auch im Landkreis Merzig-Wadern

Das vierköpfige Redaktionsteam stellt auf 28 Seiten Orte des nationalsozialistischen Terrors und Personen des Widerstandes im Landkreis Merzig-Wadern vor – damit all das niemals vergessen wird und sich niemals wiederholt.

cc Aktion 3.Welt Saar

Gegen das Vergessen - Orte des NS-Terrors und Widerstandes im Landkreis Merzig-Wadern

cc Landkreis Merzig-Wadern

Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich mit Gertrud Selzer (Vorstandsmitglied) und Roland Röder (Geschäftsführer) vom Verein Aktion 3. Welt Saar

18.6.2021 Landkreis Merzig-Wadern

„Es ist wichtig, dass den Menschen bewusst ist: Das gab es auch hier – unmittelbar vor unserer Haustür“, sagt Gertrud Selzer, „und eben nicht nur in München, Frankfurt oder Nürnberg“, schließt Roland Röder an. Beide sind als Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des Vereins Aktion 3. Welt Saar bei Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich, um ihr die Neuauflage der Broschüre „Gegen das Vergessen“ vorzustellen. Das vierköpfige Redaktionsteam stellt auf 28 Seiten Orte des nationalsozialistischen Terrors und Personen des Widerstandes im Landkreis Merzig-Wadern vor – damit all das niemals vergessen wird und sich niemals wiederholt.

Ob Sozialdemokrat, Kommunist oder Katholik – es sei wichtig, die unterschiedlichen Milieus darzustellen, aus denen die Mittäter und die, die einst Widerstand leisteten, kommen: „Im Umgang mit Antisemitismus haben alle Organisationen versagt“, betont Roland Röder. Zwar gab es überall Ausnahmen, „aber es waren wenige“. Deswegen – und wegen der aktuellen Entwicklungen im Nahostkonflikt zwischen Israel und der Hamas – sei es über 75 Jahre später noch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung „für verstorbene und lebende Juden einzustehen“, sagen Gertrud Selzer und Roland Röder.

Gertrud Selzer erzählt, dass sich in den letzten zehn Jahren seit der Publikation der ersten beiden Auflagen vieles verändert habe, auch die Erinnerungsarbeit. Wichtig sei, dass Erinnerungsarbeit nicht nur für die Jüngeren geleistet werde. Die Zustimmung bei antisemitischen Aussagen betrage heute 20 bis 30 Prozent – und komme eben nicht nur aus den jüngeren Reihen, sondern aus der Mitte der Gesellschaft, wie einst der Nationalsozialismus selbst.

„Erinnerungsarbeit wird allgemein immer schwieriger, weil nur noch wenige Zeitzeugen davon berichten können“, weiß Gertrud Selzer. Umso bedeutender scheint die Tatsache, dass die Broschüre in aller Deutlichkeit Täter und Opfer, Mitläufer und Verweigerer sowie Orte des NS-Terrors und des Widerstandes im Landkreis Merzig-Wadern benennt. „Es geht darum, dass Lernorte für diese Geschichte entstehen, die den Menschen das Vergangene erfahrbar und angreifbar machen“, sagt Gertrud Selzer. Im Schulunterricht werde die NS-Zeit behandelt – mithilfe der Broschüre könnten die Schülerinnen und Schüler das Geschehene auf ihre Heimat beziehen.

Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich findet es „unfassbar, was damals passiert ist. Im Nachgang lässt sich vielleicht sagen, dass man damals nicht mitgemacht hätte. Ich wäre mit solchen Aussagen allerdings vorsichtig. Wenn man die Verantwortung für eine Familie trägt, stellt sich die Frage, ob man sein privates Umfeld mit einer auflehnenden Haltung wirklich gefährdet hätte. Ich unterstütze euch gerne dabei, die Bürgerinnen und Bürger zu erreichen, damit sie sich mit dem Thema auseinandersetzen und mehr darüber erfahren.“

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.a3wsaar.de oder per E-Mail an mail@a3wsaar.de. Die kostenlose Broschüre liegt auch im Landratsamt aus. Insgesamt stehen 12.000 Exemplare zur Verfügung.


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