Eine kritische Vorbemerkung:
Die Aktion 3.Welt Saar e.V. ist Mitglied im Trägerkreis der alljährlich stattfindenden „Wir haben es satt“- Demonstration. Wir unterstützen diese bundesweit größte Protestaktion gegen eine Agrarpolitik, die sich der Wachstumslogik verschrieben hat, statt Ernährungssicherheit und Ernährungssouveränität auf die Agenda zu setzen.
Das Gros der Inhalte des Bündnisses teilen wir, an manchen Stellen ist uns aber zu viel Agrarromantik drin. Und an manche Umgangsformen – Hauptamtliche versus Ehrenamtliche – wollen wir uns erst gar nicht gewöhnen. In der Konsequenz hat dies zu einem Redeverbot für uns geführt, was vor einem Jahr einen heftigen Disput auslöste. Nachdem es zum ersten Mal (seit 2011) einen Redebeitrag der Aktion 3.Welt Saar geben sollte (Thema: Vertragsfreiheit von Bauern in der EU) – mit viel Gerangel hinter den Kulissen – wurde dieser kurz vor der Demo vom Vorbereitungskreis (Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft u.a.) gecancelt. Begründung: wir seien zu israelfreundlich. Was aber hat eine Agrarrede mit Israel zu tun? Richtig, nichts, außer Wahn. Es gab danach verschiedene Versuche, eine Einigung zu erzielen – auch für einen Redebeitrag in 2026. Leider ergebnislos. Es bleibt auch dieses Jahr beim Redeverbot.
Die Saarbrücker Zeitung berichtet am 17.01.2025 darüber (hier), die taz ein wenig später auch (hier).
Quasi im Nachgang wurde als weiterer Grund für die Ablehnung unserer Rede ein Artikel von uns genannt, der am 25.1.2024 in der Jungle World erschien. Dort nehmen wir eine kritische Einordnung auch unserer Inhalte im Agrarbündnis vor und setzen uns mit den Erfolgen wie mit den Schieflagen in den eigenen Reihen auseinander.
Aufruf zur 16. "Wir haben es satt!"-Demo am 17.01.2026
Haltung zeigen! - Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft weltweit
Wir leben in einem System, in dem die Agrarindustrie profitiert, während die bäuerliche und ökologische Landwirtschaft verliert.
Auf der einen Seite stehen Milliarden-Gewinne von Agrochemiekonzernen, Patente auf Saatgut und Investor*innen, die mit Ackerland spekulieren. Der Umbau der Tierhaltung stockt – und es gibt keine verpflichtende und umfassende Haltungskennzeichnung, obwohl sich die meisten Menschen für mehr Transparenz aussprechen. Die industrialisierte Tierhaltung heizt wiederum die Klimakrise weiter an: Das aktuelle Ernährungssystem ist weltweit für mehr als ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Zugleich setzt die Agrarindustrie auf Gentechnik und vereinfachte Pestizidzulassungen – und gefährdet damit unsere natürlichen Lebensgrundlagen.
Auf der anderen Seite stehen Bäuer*innen, die um ihre wirtschaftliche Existenz bangen, weil Lebensmittelindustrie und Einzelhandel die Preise diktieren. Das Höfesterben hält ungehindert an: Jedes Jahr schließen rund 2.600 landwirtschaftliche Betriebe. Ähnlich dramatisch ist die Situation im Lebensmittelhandwerk, etwa für Bäckereien. Gleichzeitig kosten Lebensmittel in Deutschland heute etwa 30 Prozent mehr als 2021. Millionen Menschen können sich kein gesundes Essen leisten, und die Schlangen vor den Tafeln werden immer länger. Weltweit können sich 2,3 Milliarden Menschen nicht ausreichend ernähren – und mehr als 670 Millionen Menschen leiden unter akutem Hunger.
Dieses System schadet Mensch, Tier und Natur – und treibt die Klimakrise voran.
UND WAS MACHT DIE BUNDESREGIERUNG?
Sie knickt ein vor den Interessen der Agrarkonzerne. Sie streicht die Förderung für den Umbau von Ställen und die höheren Kosten von besserer Tierhaltung. Gleichzeitig verschleppt sie die Einführung eines staatlichen Kennzeichens für tierische Produkte. So verhindert sie Transparenz für Verbraucher*innen und Planungssicherheit für landwirtschaftliche Betriebe – während weiterhin massenhaft minderwertiges Fleisch produziert wird und Tiere darunter enorm leiden.
Sie beugt sich dem Willen der Industrie- und Chemie-Lobby. Sie opfert den Schutz unseres Trinkwassers im Hauruckverfahren, indem sie Regelungen abschafft, die der Überdüngung unserer Böden vorbeugen sollen. Wenn sie von Bürokratieabbau und Wettbewerbsfähigkeit spricht, meint sie den Abbau von Klima-, Umwelt- und Tierschutz – und schaut zu, wenn notwendige Fördergelder in der EU-Agrarpolitik zusammengestrichen werden.
Sie duckt sich weg, wenn es um wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung des Hungers weltweit geht. Stattdessen kürzt sie das Geld für Entwicklungszusammenarbeit und bleibt untätig, wenn Menschen der Zugang zu Land und Nahrungsmitteln verwehrt wird. Gleichzeitig setzt sie sich für bilaterale Handelsabkommen wie das EU-Mercosur-Abkommen ein, das Abholzung, Ausbeutung und Umweltzerstörung in Ländern des Globalen Südens bedeutet.
Das haben wir satt!
Jetzt müssen Landwirtschaftsminister Rainer und die Bundesregierung HALTUNG ZEIGEN!
Wir fordern:
- Bauernhöfe statt Agrarindustrie! Agrarförderung nur noch für bäuerliche und ökologischere Betriebe – nicht für Tierfabriken und Agrarkonzerne.
- Transparenz statt Täuschung! Kennzeichnung von Haltungsbedingungen und Gentechnik – auf allen Lebensmitteln, ob im Handel oder in der Außer-Haus-Verpflegung.
- Klima-, Umwelt- und Tierschutz statt Lobbyinteressen! Kein Rückbau von Standards, sondern Investitionen in eine zukunftsfähige Landwirtschaft.
- Gerechtigkeit statt Konzernmacht! Faire Preise für Verbraucher*innen und Erzeuger*innen – Stopp des Preisdiktats durch den Lebensmitteleinzelhandel.
- Solidarität statt Spaltung! Mehr Geld für Entwicklungszusammenarbeit und die Überwindung des Hungers – für eine sozial gerechte Agrarwende weltweit.