40 Jahre Reaktorkatastrophe von Tschernobyl

Jedes stillgelegte AKW ist praktizierter Umwelt- und Klimaschutz Debatte um Wiederinbetriebnahme und um Mini AKWs ist ein Irrweg 
Entsorgung des atomaren Mülls immer noch ungeklärt
 

Pressemitteilung 
23. April 2026 / Nr.2 

 

Kühltürme von Cattenom

 

„Die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl war für mich ein zentraler Einschnitt. Seitdem engagiere ich mich in der Bewegung gegen Atomkraftwerke (AKW)“, so Ingrid Röder von der Aktion 3.Welt Saar. „Auch in meiner Organisation begann ein Umdenken. Wir verstärkten unseren Widerstand gegen Atomanlagen wie das AKW in Cattenom an der Mosel und auch gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf in der Oberpfalz und setzen uns für regenerative Energien ein.“ 

Am 26.4.1986 kam es in dem sowjetischen AKW Tschernobyl im Norden der Ukraine und 150 km entfernt von Kiew zum Supergau. Der Reaktor brannte durch und überzog große Teile Europas mit einer giftigen radioaktiven Wolke. Gemüse, Früchte und andere Nahrungsmittel konnten nicht mehr verzehrt werden. „Für mich ist jedes stillgelegte und nicht gebaute Atomkraftwerk praktizierter Umwelt- und Klimaschutz“, so Röder. Die politisch erstrittenen regenerativen Energien sind im Gegensatz zu Strom aus AKWs, Erdöl und Erdgas krisensicher. Dies zeigen die aktuellen Kriege in der Ukraine und im Iran. 

Die Megaunfälle in Tschernobyl am 26.4.1986, Fukushima (Japan) am 11.3.2011 und die Beinahe-Katastrophe am 28.3.1979 in Harrisburg (USA, Pennsylvania) mit ihren gigantischen Schäden zeigen die Unbeherrschbarkeit der Technik. Dies unterstreichen auch die ständigen Probleme bei den vier Atommeilern im lothringischen Cattenom. All diese Unfälle geschahen in hoch entwickelten Volkswirtschaften und in unterschiedlichen Regionen der Erde. „Der strahlende Atommüll, den jedes AKW produziert, verursacht zudem Ewigkeitskosten, die wir unseren Kindern und Enkeln aufbürden. Dies gilt auch für die noch hunderte Jahre lang strahlenden stillgelegten AKWs. Wer AKWs betreibt macht die Erde zunehmend unbewohnbar und unterläuft den Klimaschutz.

Auch die landesweiten Probleme in Frankreich, immerhin das Vorzeigeland des Atomstroms, von 2022 seien Argumente für die Stilllegung. Rund die Hälfte der 56 AKWs funktionierten nicht wegen technischen Problemen und wegen Wassermangels für die nötige Kühlung. „In der Folge musste Frankreich den lange Zeit belächelten Ökostrom aus Deutschland importieren, um die Stromversorgung aufrecht zu erhalten“, so Röder. Für die Kühlung der europäischen Atomkraftwerke werden jährlich 2,4 Milliarden Kubikmeter Wasser benötigt. In Zeiten der Trockenperioden, die im Zuge des Klimawandels verstärkt auftreten, muss also entschieden werden: Wasser für AKW’s oder Wasser für die Landwirtschaft.

„Genau genommen haben die Befürworter der atomaren Hochrisikotechnologie gar nichts im Griff: Weder die Technik, noch die Kühlung, noch den Atommüll. Deshalb ist die Debatte zur Wiederinbetriebnahme von AKWs oder dem Bau von vermeintlich sicheren Mini-AKWs rückwärtsgewandt und nicht lösungsorientiert“, so Röder. Auch die Tatsache, dass bis heute keine Versicherung bereit sei, den vollen Schaden eines Atomunfalls in Deutschland abzusichern, zeige die Gefährlichkeit. 

Hintergrundinformationen:
Die Aktion 3.Welt Saar e.V. ist eine allgemeinpolitische Organisation, die bundesweit arbeitet und ihren Sitz im Saarland hat. Als Teil der Anti-Atom-Bewegung war sie involviert in die Auseinandersetzungen um die Atomanlagen in Cattenom, Gorleben, Wackersdorf und die Castortransporte. Sie gehört zu den Gegner:innen des im lothringischen Bure geplanten Atommüllendlagers. 
Mehr Informationen und Fotos in der „Bedienungs-Anleitung“ auf Seite 8 und 9 

Kühlturmbesetzung von Cattenom am 10.10.1986;  organisiert von Robin Wood mit Unterstützung der Aktion 3.Welt Saar 
  
Dem Reaktor aufs Dach gestiegen“, Saarbrücker Zeitung, 10.10.2016: 
 


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