Apokalypse als Geschäftsmodell

Politische Theorie und Analyse sind entbehrlich
Thesen der Aktion 3. Welt Saar zum Klimaaktivismus von „Die letzte Generation“

Straßenblockade der Letzten Generation in Berlin (2022)

Hier geht es zu dem Thesenpapier als PDF-Datei

„Die letzte Generation“ arbeitet als hochprofessionelle NGO mit entsprechendem Web- und Social Media Auftritt. Leitlinien für den Aktivismus der Gruppe sind Gewaltfreiheit, Störungen des Alltags und Opferbereitschaft. Dabei setzen sie auf eine zunehmende Intensivierung der Proteste. Es geht nicht um Massenaktionen, sondern sie wollen mit relativ wenig Leuten mediale Aufmerksamkeit erzeugen. Dazu gehören neben Blockaden auch Aktionen in Museen, wie das Bewerfen von Bildern mit Suppe. Die Bilder selbst werden dadurch nicht beschmutzt oder beschädigt, da sie durch Glasscheiben geschützt sind.

Sie legen es bewusst darauf an, in Gewahrsam genommen zu werden und glauben, dass das von der Polizei und den Strafverfolgungsbehörden dann irgendwann logistisch nicht mehr zu bewerkstelligen ist.

„Radikale“ Aktionen, brave Forderungen

Im Gegensatz zu den radikal wirkenden Aktionen sind ihre Forderungen auffallend brav und konventionell:

- Überflüssige Lebensmittel sollen verschenkt werden.

- Das 9Euro-Ticket soll dauerhaft eingeführt werden.

- Es soll Tempolimits geben.

- Per Losentscheid soll ein Bürgerrat gebildet werden, wobei das Losverfahren Unabhängigkeit und Neutralität garantieren soll.

„Die letzte Generation“ ist undemokratisch und hierarchisch aufgebaut. Es gibt eine Kerngruppe, die Aktionen plant, welche die Aktivisten dann umsetzen. Die Frage ist, ob das per se schlecht ist, wenn man handlungsfähig sein möchte.

Die Aktionen werden gut und professionell dokumentiert.

Bestimmte Arbeiten und Ausgaben werden vom Climate Emergency Fund finanziert. Dessen Geldvergabe an „Die letzte Generation“ erfolgt über das nach rechts offene „Wandelbündnis“, das im Gegensatz zur „letzten Generation“ ein gemeinnütziger Verein ist. 2022 sind 900 000 € Spendengelder an „Die letzte Generation“ geflossen.

„Sie verhalten sich wie Oberlehrer, die Politik spielen“

Die Form der Aktionen, die Selbstermächtigung und nicht zuletzt die apokalyptische Sprache, die sich auch in der Bezeichnung der Gruppe ausdrückt, hat ihr Sektenvorwürfe eingebracht. Die Gruppe tritt auf, als habe sie die Wahrheit gepachtet. Sie verhalten sich wie Oberlehrer, die Politik spielen, und stilisieren sich selbst zu Märtyrern. Eine Märtyreraktion stand auch am Beginn der Gruppe: Sie entstand 2021 aus einem Hungerstreik. Dieser Hungerstreik war nicht etwa mit einer konkreten, inhaltlichen Forderung verbunden, sondern sie wollten damit ein Gespräch mit Olaf Scholz erzwingen, ganz so, als bedürfe dieser nur der Aufklärung, und dann würde sich die Klimapolitik schon ändern. Dieses Gespräch kam dann sogar zustande.

Inzwischen wurden – wenn auch noch nicht rechtskräftig – erstmals Aktivisten zu Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt. Hier spielen sich die Selbstherrlichkeit der einen – staatliche Rechthaberei und Repression durch die Strafverfolgungsbehörden – und die Borniertheit der anderen Seite - das Märtyrertum der „Letzten Generation“ – gegenseitig die Bälle zu. Beide eng miteinander verwandten Verhaltensweisensind preisverdächtig und verhindern den notwendigen, grundlegenden Wechsel in der Klimapolitik.

Verschwörungsideologische und esoterische Bezüge

Weitere Kritikpunkte:

- Das mit der „letzten Generation“ als Geldgeber verbundene „Wandelbündnis“ hat esoterische Schlagseite, möchte zurück zu einer angeblich unberührten Natur, vertritt neomalthusianische Auffassungen („Überbevölkerung“), macht Werbung für völkische Gruppen wie die Anastasia-Bewegung und hat Verbindungen in verschwörungsideologische Kreise.

- Die Störaktionen sind oft willkürlich, ohne Bezug zur Sache, wie etwa das Bewerfen von Gemälden oder das Anketten an ein Dirigentenpult. Ein inhaltlicher Bezug hingegen wäre gegeben, wenn sie bei der Aktionärsversammlung eines Ölkonzerns dem Vorstandsvorsitzenden eine Torte ins Gesicht werfen würden.

- Wenn, wie sich jetzt schon abzeichnet, die mediale Aufmerksamkeit nachlässt, verlieren die Aktionen ihre Öffentlichkeitswirksamkeit.

- Ein zentraler Punkt: Sie handeln aus dem Bauch, ohne theoretisches Fundament. Hier wäre ihnen der Spruch des Sozialpsychologen Kurt Lewin entgegenzuhalten: „Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie“.

Ihre Sprache gleicht der einer NGO, deren intellektueller Horizont dem Stellen, Abrechnen und Evaluieren von Anträgen an immer gleiche Förderträger perfekt angepasst ist.

Dieses Thesenpapier wurde erstellt von einer Arbeitsgruppe der Aktion 3. Welt Saar e.V. von: Ingrid Röder, Katharina Eggers, Klaus Blees, Margit Fuchs und Roland Röder

Foto: commons.wikimedia.org/wiki/File:Der_Aufstand_der_Letzten_Generation_blockiert_Stra%C3%9Fe_am_Hauptbahnhof_(51848563018).jpg

 


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