"Brot statt Böller"-Appell einstellen und durch "Brot UND Böller" ersetzen

Lustfeindlichkeit und schlechtes Gewissen helfen nicht gegen Hunger - Kann denn Feiern Sünde sein?

Pressemitteilung
25. Dezember 2014 / Nr. 36

Andere Agrarpolitik ohne Gentechnik hilft gegen Hunger

Die Aktion 3.Welt Saar (A3WS) ist dafür, den Appell ‚Brot statt Böller’ einzustellen und durch ‚Brot UND Böller’ zu ersetzen. Der ‚Brot statt Böller’-Aufruf trägt eine gehörige Portion Lustfeindlichkeit zur Schau und appelliert an das schlechte Gewissen“, so Hans Wolf vom Vorstand der Aktion 3.Welt Saar. „Auffallend ist, dass die Kritik am Silvesterfeuerwerk erst dann ansetzt, wenn ‚die breite Masse’ Raketen zündet, nicht aber am Feuerwerk der Besserbetuchten, beispielsweise nach Klassik-Open-Air-Konzerten, bei ‚Rhein in Flammen’ oder bei der offiziellen Feier in Saarbrücken am Vorabend (13.7.)  des Jahrestages der französischen Revolution“, so Hans Wolf.  Merkwürdigerweise gilt dann plötzlich ‚Brot statt Böller’ nicht mehr. Der unterstellte Zusammenhang zwischen dem Silvesterfeuerwerk sowie Hunger und Armut in der Welt ist beliebig gewählt und existiert nicht. Genauso gut könnte man dazu aufrufen, keine Weihnachtsbäume, Smartphones, Bücher oder Jogginganzüge zu kaufen, keinen Wein zu trinken oder Fußballspiele ausfallen zu lassen. „Der Einsatz für Gerechtigkeit und Solidarität führt ins Leere, wenn er mit einer Leidensmiene und dem moralischen Zeigefinger einher geht“, meint Hans Wolf. Zum Wesen des Menschen gehört in allen Kulturen das Feiern, der Rausch, die Verausgabung - für manche eben auch die Freude am Feuerwerk. Dies sollte respektiert werden. Dass Menschen hungern, obwohl es genügend Nahrungsmittel gibt, liegt an deren Verteilung und an der Verwendung von Nahrungsmitteln als Viehfutter. Denn Hunger ist kein Schicksal, sondern wird gemacht

Um Hunger zu bekämpfen, brauchen wir eine andere Agrarpolitik. <link www.a3wsaar.de/aktuelles/details/d/2014/11/23/fuenfte-wir-haben-es-satt-demonstration/ _top>Dafür organisiert die Aktion 3.Welt Saar gemeinsam mit 40 anderen Agrar- und Umweltorganisationen am 17. Januar 2015 in Berlin zum Auftakt der Grünen Woche wieder die Demonstration „Wir haben es satt“.</link> Im Januar 2014  nahmen über 20.000 Menschen an dieser Demonstration teil. Ebenso wichtig für eine andere Agrarpolitik ist der Ausstieg aus dem aktuell verhandelten „Transatlantischen Freihandelsabkommen“ TTIP und ein Ende der Vorrangpolitik für Gentechnik. Stattdessen muss weltweit die bäuerliche Landwirtschaft den Vorzug vor der industriellen Landwirtschaft bekommen. Neuerdings konkurriert der Anbau „nachwachsender Rohstoffe“ in der 3.Welt für den Bioboom in Europa mit dem Anbau von  Nahrungsmitteln. Umgekehrt sorgen Agrarexporte aus Europa - vor allem Milch und Fleisch – dafür, dass Märkte in der 3.Welt zusammenbrechen, bäuerliche Existenzen vernichtet werden und Menschen verhungern.

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